Aus meiner persönlichen Erfahrung ist das Autofahren in den USA deutlich entspannter als in Europa. Die Straßen sind in der Regel hervorragend instand gehalten, die Beschilderung ist logisch aufgebaut und jede Tankstelle bietet eine breite Auswahl an Kaffeevariationen. Doch wie hoch ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit, wann ist das Abbiegen bei Rot gestattet und welche Strecken sind mautpflichtig? In diesem Artikel habe ich alles zusammengefasst, was Sie für Ihre Fahrt durch die USA wissen müssen.

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Inhaltsverzeichnis
Grundlegende Verkehrsregeln in den USA
➡️ Rechtsverkehr
In den USA gilt, genau wie in Deutschland, das Rechtsfahrgebot.
🪪 Führerschein für die USA
Ein Führerschein der Klasse B ist für das Führen eines privaten Mietwagens in den USA völlig ausreichend. Sowohl Polizeibeamte als auch Autovermietungen akzeptieren europäische Führerscheine in fast allen Fällen problemlos. Dennoch ist es ratsam, vor der Reise sicherheitshalber einen internationalen Führerschein zu beantragen.
🔞 Mietwagen für Fahrer unter 25 Jahren
Mietwagen in den USA sind für Fahrer unter 25 Jahren oft mit einem sogenannten „Young Driver Surcharge“ verbunden. Dieser liegt meist zwischen und pro Tag. Dieser Zuschlag wird aufgrund des statistisch höheren Unfallrisikos erhoben.
🦺 Anschnallpflicht
Alle Insassen des Fahrzeugs müssen während der gesamten Fahrt angeschnallt sein.
🌉 Mautstraßen und Gebühren
Für die Nutzung einiger Autobahnen und Brücken fallen Mautgebühren an. Während an der Ostküste häufiger ganze Autobahnabschnitte („Turnpikes“) mautpflichtig sind, werden an der Westküste meist nur Gebühren für das Überqueren großer Brücken oder Tunnel erhoben. Eine Übersicht der mautpflichtigen Strecken finden Sie auf PlatePass.com.
🍷 Promillegrenze am Steuer
Die gesetzliche Promillegrenze liegt in den meisten US-Bundesstaaten bei 0,08 (entspricht 0,8 ‰). Solange Sie diesen Wert nicht überschreiten, machen Sie sich nicht strafbar. Wichtige Ausnahmen: In Utah liegt die Grenze bei strengen 0,05 (0,5 ‰), und für Fahrer unter 21 Jahren gilt im ganzen Land eine strikte Null-Toleranz-Politik.
Hinweis: Eine detaillierte Auflistung der Bestimmungen aller Bundesstaaten bietet FindLaw.com.
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Unterschiede zwischen dem Autofahren in den USA und Deutschland
📏 Anglosächsische Maßeinheiten
Entfernungen auf Verkehrsschildern werden in Meilen angegeben, Geschwindigkeiten in Meilen pro Stunde (mph). Eine Meile entspricht 1,609 km, 100 Yards sind etwa 91,44 Meter.
Kraftstoff wird an Tankstellen in Gallonen verkauft (1 Gallone = 3,785 Liter). Der Verbrauch wird in „Miles per Gallon“ (mpg) gemessen. Um mpg in das uns vertraute l/100 km umzurechnen, teilen Sie die Zahl 235 durch den mpg-Wert.
🚗 Automatikgetriebe ist Standard
Nahezu alle Mietwagen in den USA sind mit einem Automatikgetriebe ausgestattet. Sie bedienen lediglich das Bremspedal mit dem linken und das Gaspedal mit dem rechten Fuß (bzw. beide mit rechts), was das Fahren im dichten Verkehr sehr komfortabel macht. Falls Sie noch nie Automatik gefahren sind: Keine Sorge, die Umgewöhnung erfolgt meist sehr schnell. Weitere Tipps finden Sie im Artikel Wie man ein Automatikauto fährt.
🔦 Tagfahrlicht nicht überall Pflicht
In den meisten US-Bundesstaaten ist das Fahren mit Licht am Tag nicht gesetzlich vorgeschrieben, solange keine Sichtbehinderung durch Wetter oder Dämmerung vorliegt. Details hierzu finden Sie auf VehicleAid.com.
🚦 Ampeln hängen hinter der Kreuzung
Ein markanter Unterschied: Die Ampeln befinden sich oft auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung oder hängen mittig darüber. Daran gewöhnt man sich jedoch schnell. Die Schaltfolge ist simpel: Auf Rot folgt direkt Grün, auf Grün folgt Gelb und dann wieder Rot.
❌ Kreuzungen ohne Ampeln (4 Way Stop)
An Kreuzungen mit Stoppschildern und dem Zusatz „4 Way“ oder „All Way“ gilt nicht „rechts vor links“. Hier fahren die Fahrzeuge in der Reihenfolge ab, in der sie an der Haltelinie zum Stehen gekommen sind („First come, first served“).
🔴 Rechtsabbiegen bei Rot erlaubt
An den meisten Ampelkreuzungen dürfen Sie nach einem vollständigen Stopp auch bei Rot rechts abbiegen, sofern Sie dem Querverkehr Vorfahrt gewähren.
Wichtige Ausnahme: In New York City ist dies generell verboten, außer ein Schild erlaubt es ausdrücklich („Right Turn Permitted on Red“). Überall sonst achten Sie auf Verbotschilder wie „No Turn on Red“.
⛽ Tanken – Erst zahlen, dann zapfen
An US-Tankstellen ist Vorauskasse („Prepay“) üblich. Entweder zahlen Sie direkt mit Kreditkarte an der Zapfsäule oder hinterlegen Bargeld beim Kassierer. Eine genaue Anleitung gibt es hier: Tanken in den USA.
➡️ Rechtsüberholen ist gestattet
Auf mehrspurigen Highways und Interstates ist das Überholen auf der rechten Spur erlaubt („Keep your Lane“). Vorsicht: Amerikanische Autofahrer wechseln die Spur oft ohne zu blinken. Schilder mit der Aufschrift „Slow Traffic Keep Right“ weisen langsamere Fahrzeuge dennoch an, sich rechts zu halten.
2️⃣ Carpool Lanes (Fahrgemeinschaftsspuren)
In Ballungsräumen wie Los Angeles finden Sie Spuren, die mit einem Rautensymbol (Diamond) markiert sind. Diese „HOV Lanes“ (High Occupancy Vehicle) sind für Fahrzeuge mit zwei oder mehr Insassen reserviert, um den Verkehrsfluss zu fördern.
Die widerrechtliche Nutzung als Einzelperson wird teuer: In Kalifornien beginnen die Bußgelder hierfür bei (Stand Januar 2026). Achten Sie zudem darauf, die Spur nur an den markierten, unterbrochenen Linien zu verlassen oder zu befahren.
🚌 Vorsicht bei Schulbussen
Wenn ein gelber Schulbus hält und seine roten Warnlichter blinken (oft klappt auch ein Stoppschild an der Seite aus), müssen Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen anhalten. Das Vorbeifahren ist streng verboten. Die Strafen variieren je nach Bundesstaat, liegen aber meist zwischen und .
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Highways und Interstates – Beschilderung und Besonderheiten
Straßennummern sind oft mit Himmelsrichtungen versehen (N, S, E, W), um die Fahrtrichtung anzuzeigen. An Auffahrten gilt das Reißverschlusssystem, wobei der einfädelnde Verkehr oft früher auf die Hauptspur drängt als in Deutschland üblich.
Mautgebühren fallen nur punktuell an. Einige Preisbeispiele:
- Die Überquerung der San Francisco-Oakland Bay Bridge kostet regulär , für Fahrgemeinschaften zu Stoßzeiten oft nur .
- Der berühmte 17-Mile Drive in Kalifornien verlangt eine Eintrittsgebühr von .
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Tempolimits in den USA
Die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten werden von den einzelnen US-Bundesstaaten festgelegt und können variieren.
Im Vergleich zu Deutschland wirkt das Tempo oft gemächlich. Die höchste erlaubte Geschwindigkeit findet man auf einem Highway in Texas (85 mph bzw. 137 km/h). Im Osten der USA liegt das Limit auf Interstates meist bei 70 mph (113 km/h), im weitläufigen Westen oft bei 75 mph (121 km/h).
Eine Überschreitung um ca. bis wird im Verkehrsfluss oft toleriert („Flow of Traffic“), verlassen Sie sich jedoch nicht darauf. Die Polizei greift besonders bei „Reckless Driving“ hart durch. Ein durchschnittliches Ticket für zu schnelles Fahren kostet rund , kann aber je nach Staat deutlich höher ausfallen.
Auf Landstraßen gilt oft bis , innerorts und in Wohngebieten meist bis . Besonders in kleinen Ortschaften („Speed Traps“) sind Geschwindigkeitskontrollen eine beliebte Einnahmequelle.
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Verkehrszeichen verstehen
Farbcode der Schilder
Die Beschilderung in den USA ist sehr intuitiv, wenn man die Farbcodierung kennt:
- Rot: Stopp, Vorfahrt gewähren, Verbote.
- Grün: Richtungsweiser, Entfernungsangaben, Ausfahrten.
- Blau: Servicehinweise (Tankstellen, Essen, Hotels, Rastplätze).
- Gelb: Allgemeine Warnungen (Kurven, Ampeln, Wildwechsel).
- Weiß: Regulierende Schilder (Tempolimits) und Zusatzinfos.
- Orange: Baustellen.
- Fluoreszierendes Gelb-Grün: Schulzonen, Fußgänger- und Radüberwege.
- Braun: Tourismus, Nationalparks, Erholung.
Formen und Bedeutung
Auch die Form verrät oft schon den Inhalt:
- Rechteck: Informationen und Regeln (z.B. Speed Limit).
- Achteck: Stoppschild (immer rot).
- Dreieck (auf der Spitze): „Yield“ (Vorfahrt gewähren).
- Raute: Warnhinweise.
- Fünfeck (Hausform): Schulzone.
- Wimpel (nach rechts zeigend): Überholverbot („No Passing Zone“).
- Kreis (mit X): Bahnübergang voraus.
Häufige Zusatztexte
Viele Schilder enthalten Textanweisungen. Hier die wichtigsten Übersetzungen:
- CAR POOLS ONLY: Spur für Fahrgemeinschaften (2+ Personen).
- 4 WAY / ALL WAY: Zusatz am Stoppschild – wer zuerst kommt, fährt zuerst.
- BUMP / DIP: Bodenwelle oder Senke.
- DEAD END / NO OUTLET: Sackgasse.
- DETOUR: Umleitung.
- NO TURN ON RED: Rechtsabbiegen bei Rot verboten.
- ONE WAY: Einbahnstraße.
- PED XING: Fußgängerüberweg („Pedestrian Crossing“).
- TOW AWAY ZONE: Falschparker werden abgeschleppt.
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Parken in den USA
Parken Sie am besten auf offiziellen Parkplätzen („Parking Lots“) oder in Parkhäusern. Beim Parken am Straßenrand verrät die Farbe des Bordsteins („Curb“), ob Sie dort stehen dürfen:
⬜ Weißer Bordstein
Kurzes Halten zum Ein- und Aussteigen von Passagieren ist erlaubt.
🟩 Grüner Bordstein
Parken ist für eine begrenzte Zeit gestattet (Dauer steht auf dem Schild oder dem Bordstein).
🟨 Gelber Bordstein
Ladezone. Nur kurzes Halten zum Be- und Entladen von Gütern oder Personen (Fahrer muss meist im Auto bleiben).
🟥 Roter Bordstein
Absolutes Halteverbot. Hier niemals parken, auch nicht „nur kurz“.
🟦 Blauer Bordstein
Reserviert für Fahrzeuge mit Behindertenausweis.
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Polizeikontrolle – Was tun?
Sollte ein Polizeiwagen hinter Ihnen die Lichter einschalten („Flashing Lights“), bedeutet das: Anhalten.
Fahren Sie zügig, aber sicher an den rechten Straßenrand. Schalten Sie den Motor aus, öffnen Sie das Fenster und legen Sie beide Hände gut sichtbar oben auf das Lenkrad. Warten Sie im Auto, bis der Officer an Ihr Fenster tritt.
Vermeiden Sie hektische Bewegungen. Suchen Sie nicht schon vorher im Handschuhfach nach Papieren – tun Sie dies erst, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Bleiben Sie höflich und ruhig. Wenn Sie kooperieren, verläuft die Kontrolle meist sehr sachlich und professionell.
Straßenbezeichnungen in den USA
Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Begriffe:
Causeway
Eine Straße, die über Dämme oder Brückenkonstruktionen führt, oft durch Wasser oder Sumpfgebiete. Ein bekanntes Beispiel ist der MacArthur Causeway in Miami.
Expressway
Eine Schnellstraße ähnlich einer Autobahn, die jedoch vereinzelt niveaugleiche Kreuzungen haben kann.
Freeway
Die klassische Autobahn ohne Kreuzungen, mit Auf- und Abfahrten. Freeways sind für hohen Durchsatz ausgelegt und oft – aber nicht immer – mautfrei.
Highway
Ein Überbegriff für Fernstraßen. Sie können mehrspurig wie Autobahnen sein, aber auch einfache Landstraßen mit Gegenverkehr und Kreuzungen. Ungerade Nummern verlaufen meist Nord-Süd, gerade Nummern Ost-West.
Interstate
Das nationale Autobahnnetz, das Bundesstaaten verbindet (z. B. I-10, I-75). Sie entsprechen am ehesten den deutschen Autobahnen und sind meist in sehr gutem Zustand.
Parkway
Landschaftlich besonders schöne Strecken, oft in parkähnlicher Umgebung. Für Lkw sind diese Straßen meist gesperrt.
Scenic Route
Touristische Nebenstrecken mit besonders schönen Aussichtspunkten. Sie sind oft schmaler und für große Wohnmobile manchmal nicht geeignet.
Turnpike
Eine gängige Bezeichnung für mautpflichtige Autobahnen, besonders im Osten der USA.







Diskussion (4)
Wie ist das eigentlich mit dem Rechtsabbiegen bei Rot in den USA? Gilt das überall oder gibt es Ausnahmen, auf die man besonders achten muss?
@Karin Schröder: Hallo Karin, grundsätzlich ist Rechtsabbiegen bei Rot nach einem kompletten Stopp erlaubt, außer es steht ein Schild dort („No Turn On Red“). Eine wichtige Ausnahme ist jedoch New York City – dort ist es generell verboten, es sei denn, ein Schild erlaubt es explizit.
Stimmt es, dass man in den USA beim Tanken oft erst im Laden bezahlen muss, bevor die Säule freigeschaltet wird?
@Karin: Hallo Karin, ja, das ist sehr verbreitet. Wenn deine Kreditkarte direkt an der Säule nicht funktioniert (oft wird nach einem US-Zip-Code gefragt), gehst du rein, sagst „50 Dollars on pump number 3“ und bezahlst. Wenn du für weniger tankst, wird der Rest automatisch auf die Karte zurückgebucht.